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27.04.12

Pflege im Dialog: "Demenz gemeinsam begegnen"

Bericht von der Fachtagung des ASB, der Neuruppiner Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe und der Ruppiner Kliniken am 24.04. 2012 in Rheinsberg
"Demenz gemeinsam begegnen" - Unter diesem Motto fanden sich am 24.04. in Rheinsberg fast 200 Pflegefachkräfte zum 3. Fachtag „Pflege im Dialog“ zusammen, um Neues aus Theorie und Praxis für das gemeinsame Leben mit an Demenz erkrankten Menschen zu erfahren aber auch um über ihre eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse zu reden.
Den Veranstaltern von der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe, dem ASB und den Ruppiner Kliniken ist es gelungen, ein Tagungsprogramm zu konzipieren, welches den Erwartungen in jeder Hinsicht gerecht wurde.
Wie ein roter Faden zog sich durch alle Beiträge die Feststellung: Menschen mit Demenz leben zwar in einer eigenen Welt, aber es ist unsere gemeinsame Welt und unser gemeinsames Leben. So wie wir uns diese Welt aneignen und verstehen, nur so werden wir, die sogenannten „Normalen“ auch Menschen mit Demenz begleiten können und ihnen das geben können, was sie von uns erwarten. Eine Demenz wandelt die Person, aber zerstört diese nicht. Auch der an Demenz erkrankte Mensch bleibt Person und wir, die scheinbar anderen, leben nicht neben dieser sondern wollen mit dieser Person leben.
Mit gespannter Aufmerksamkeit und durchaus auch emotional betroffen verfolgten die Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmer die Ausführungen von Helga Rohra aus München, die vor fünf Jahren ihre Diagnose „Demenz“ erhielt. 
Authentisch zu erfahren, wie ein Mensch mit Demenz fühlt, was er von anderen erwartet, wie er offen und offensiv mit der Krankheit umgeht, was ihm hilft, das von Helga Rohra zu hören war nicht nur zutiefst beeindruckend, sondern hat das Verständnis für Menschen mit Demenz erweitert.
Wer mehr über Helga Rohra und ihren Umgang mit der Krankheit erfahren will, sollte ihr Buch „Aus dem Schatten treten“, erschienen im Mabuse Verlag lesen.
Christian Müller-Hergel referierte über die personenzentrierte Pflege und über Dementia Care Mapping (DCM) als ein Instrument, um diese sinnvoll gestalten zu können.
„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ mit diesen Worten aus Goethes Faust zeigte Frau Prof. Eva-Maria Neumann auch in mehreren Video Sequenzen, welche Bedeutung die Gestaltung der Umwelt, das Milieu, das selbstverständliche Miteinander für Menschen mit Demenz hat, und was dieses  nicht nur für ihre sondern auch für die Lebensqualität aller anderen bedeutet. Und es  wurde gezeigt, mit welchen teilweise sehr einfachen Mitteln die noch vorhandenen oder verbliebenen Ressourcen von an Demenz erkrankten Menschen aktiviert werden können, um ihnen ein erfülltes Leben zu ermöglichen.
Brigitta Neumann von der Alzheimergesellschaft stellte einige Best-Practice Beispiele aus Brandenburg vor, wie und in welchen Formen die Begleitung von Menschen mit Demenz möglich ist und ihnen trotz der krankheitsbedingten Einschränkungen ein durchaus auch selbstbestimmtes Leben ermöglicht.
In vier Workshops am Nachmittag konnte das Gehörte nachgefragt, diskutiert und durch eigene Erfahrungen aus der Arbeit untersetzt werden.
Fazit der Tagung: Es gibt keine „Anderen“, keine „Betroffenen“. Wir sind alle Menschen – nur mit gewissen Unterschieden.  Das ist der Schatz, den wir erkennen und heben müssen.