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09.02.2018 14:01

QgP-Modellprojekt "Zur Senkung der Pflegeprävalenz" ausgezeichnet

Vor fast zwei Jahren haben wir an dieser Stelle über den Start und die Ziele des Projektes „Zur Senkung der Pflegeprävalenz“ informiert und haben eine weitere Berichterstattung angekündigt. Dem wollen wir nachkommen und können gleich mit einer besonders erfreulichen Nachricht beginnen:

Auf dem 3. Plenum des Bündnisses „Gesund älter werden in Brandenburg“ wurde das Projekt mit seinen Angeboten zum gemeinsamen Mittagessen und Männerfrühstück für Senioren durch die Sozialministerin des Landes Brandenburg, Frau Diana Golze neben neun anderen Preisträgern ausgezeichnet.

Damit wurden die bisher im Projekt erreichten Ergebnisse gewürdigt und anerkannt.

Wie war der Weg dorthin? Ausgehend von dem konzeptionell begründetem Ansatz, dass soziale Vereinsamung und fehlende Mobilisierung Ursachen für vorzeitige Pflegebedürftigkeit sein können, gab es Überlegungen , vermittels welcher Maßnahmen dem begegnet werden könnte. Mit dem gemeinsamen Mittagessen und gemeinsamen Aktivitäten wurde hier eine Antwort gefunden und in die Tat umgesetzt. Im November 2016 startete der erste Mittagstisch in Milow, im Dezember 2016 das erste Männerfrühstück – beide finden seitdem regelmäßig einmal monatlich statt. Während das gemeinsame Mittagessen in Kooperation mit einer örtlichen Gaststätte zu einem Festpreis durchgeführt wird, wobei die Senioren selbst entscheiden, was beim nächsten Mal aufgetischt wird, wird das Männerfrühstück von der Projektkoordinatorin und den Frauen aus der ehrenamtlichen Arbeitsgruppe vorbereitet und der Tisch liebevoll gedeckt. Natürlich sind es nicht nur das gemeinsame Mittagessen oder Frühstück, was die Teilnehmerzahlen ständig wachsen lies – (Inzwischen sind wir längst an die Kapazitätsgrenzen unserer räumlichen Möglichkeiten gelangt und müssen uns Alternativen einfallen lassen.), sondern es ist das Gemeinschaftserlebnis überhaupt, das für alle wichtig ist. Neben der Möglichkeit, sich zu unterhalten, gemeinsam zu lachen werden diese Anlässe verbunden mit Informationen zu verschiedenen für Senioren wichtigen Themen – sehr beliebt aber ist das gemeinsame Spielen. Inzwischen konnten neben Milow und Nauen in vier weiteren Ortsteilen der Gemeinde Milower Land und der Stadt Nauen Mittagstische (Nitzahn, Wachow, Ribbeck) bzw. ein „Kaffeeklatsch“ (Großwudicke) etabliert werden. 

Es soll nicht verschwiegen werden, der Anfang war das Schwerste, denn es stand die Frage, wie kommen wir an die Senioren heran? Öffentliche Aushänge, Flyer trugen zwar zur Information bei, bewirkten aber noch nicht die Bereitschaft teilzunehmen. Erst die persönliche Einladung (das persönliche Ansprechen) durch die in Milow bekannten Frauen aus der Ehrenamtsarbeitsgruppe, führten dazu, dass zum ersten Mittagstisch einige neugierig Interessierte kamen. Und dann setzte das Schneeballprinzip ein.

Die Maßnahmen im Projekt begrenzen sich nicht nur auf Mittagstisch und Männerfrühstück. Sportliche Aktivitäten wurden und werden gefördert. Zwei Mal haben Senioren aus der Gemeinde Milower Land bereits mit viel Freude und Spaß am Kreisseniorensportfest teilgenommen. In Großwudicke trifft man sich einmal monatlich zu gemeinsamer sportlicher Betätigung. Eine Gruppe für Sturzprophylaxe ist im Aufbau.

Informationsveranstaltungen mit Vorträgen zur Pflegeversicherung, zum seniorengerechten Wohnen, zur Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, zur Sicherheit für ältere Menschen und andere wurden durchgeführt. Bei individuellen Anfragen zur Pflege wurden und werden diese an den Pflegestützpunkt weiter geleitet.

Ein Großereignis soll noch erwähnt werden: Im Juni 2017 führte das Projekt unterstützt von der Gemeinde Milower Land und anderen eine „Dienstleistermesse“ durch. Regionale Anbieter von Gesundheits- und Pflegeleistungen, hauswirtschaftlichen und Betreuungsleistungen sowie Dienstleister „rund um Haus und Garten“ stellten sich vor und informierten über ihre Angebote. Über 30 Aussteller nahmen teil und über 400 Besucher informierten sich. Diese Messe war so ein Erfolg, dass immer wieder nachgefragt wird, ob wir auch in 2018 diese durchführen.

Welche Erkenntnisse konnten wir bisher gewinnen? Die im Konzept getroffene Annahme, eine Senkung der Pflegeprävalenz durch geeignete örtliche Maßnahmen zu erreichen, scheint zutreffend zu sein. Allerdings ist für die Wirksamkeit ein längerer Zeitraum als drei Jahre notwendig. Wesentlich ist es sozialer Vereinsamung vorzubeugen und infrastrukturelle Probleme zu lösen.

Ohne eine regional verankerte Koordination, unterstützt durch ehrenamtlich Tätige, ist dieser Prozess nicht zu gestalten.

Für 2018 haben wir noch viel vor.